Ein Satz, 30 Sekunden: Wie ich meine KI-Agenten besser gemacht habe

Manchmal ist die beste Optimierung keine Technik, sondern eine Frage. Diese hier hat mich 30 Sekunden gekostet und verbessert seitdem jede Arbeitssitzung mit meiner KI.

Die Ausgangslage

Ich arbeite täglich mit Claude, und zwar nicht mit einem einzelnen Chat, sondern mit mehreren KI-Agenten gleichzeitig. Ein Agent durchsucht den Code, ein zweiter schreibt Texte, ein dritter prüft das Ergebnis. Das ist schnell, aber es geht auch einiges schief: Zwei Agenten erledigen versehentlich dieselbe Arbeit. Einer übernimmt ungeprüft eine falsche Behauptung des anderen. Oder beide schreiben gleichzeitig in dieselbe Datei und zerstören sich gegenseitig das Ergebnis.

Genau zu diesen Problemen hat Anthropic, die Firma hinter Claude, eine Forschungsarbeit veröffentlicht: Multiagent Systems. Darin steht, was in Systemen aus mehreren KI-Agenten typischerweise schiefgeht und was dagegen hilft.

Ich hätte den Artikel lesen, mir Notizen machen und versuchen können, das alles im Kopf zu behalten. Stattdessen habe ich etwas anderes gemacht.

Der Befehl

Ich habe Claude genau eine Nachricht geschickt:

Was kannst du für deine Arbeit mit mir hiervon implementieren und "immer wenn passend und sinnvoll" nutzen? https://www.anthropic.com/research/multiagent-systems

Das war alles. Tippen, abschicken, 30 Sekunden.

Was dann passiert ist

Claude hat den Artikel gelesen, die Erkenntnisse auf unsere konkrete Zusammenarbeit übertragen und daraus feste Arbeitsregeln abgeleitet. Diese Regeln hat Claude in sein dauerhaftes Gedächtnis geschrieben. Sie gelten jetzt in jeder Sitzung, ohne dass ich sie je wieder erwähnen muss.

Ein Auszug aus den Regeln, die dabei entstanden sind:

Ein Agent ist ein Werkzeug, kein Kollege. Jeder Agent bekommt einen präzisen Auftrag und eine feste Form für seine Antwort. Die Ergebnisse laufen an einer einzigen Stelle zusammen, statt dass Agenten untereinander Stille Post spielen.

Gleiche Aufträge erzeugen Kollisionen. In der Forschungsarbeit wählten 18 von 30 Agenten unabhängig voneinander denselben Namen für ihre Arbeit und blockierten sich gegenseitig. Deshalb bekommt bei mir jeder Agent eine eigene Blickrichtung, eigene Dateien und eigene Namen zugewiesen.

Nichts glauben, alles prüfen. KI-Agenten sind leichtgläubig und übernehmen Behauptungen voneinander. Deshalb wird jedes Ergebnis nachgeprüft, bei wichtigen Punkten sogar von einem zweiten Agenten mit dem ausdrücklichen Auftrag, den Befund zu widerlegen.

Nach dem Fehlenden fragen. Agenten melden von sich aus nur das Offensichtliche. Jeder Auftrag endet deshalb mit den Fragen: Was hast du nicht gefunden? Was ist unsicher? Was widerspricht sich?

Was es bringt

Der Unterschied ist im Alltag deutlich spürbar. Weniger doppelte Arbeit, weniger falsche Zwischenergebnisse, die ich erst spät bemerke, und keine Agenten mehr, die sich gegenseitig die Dateien überschreiben. Die Fehler, die in der Forschungsarbeit beschrieben werden, waren exakt die Fehler, die mich vorher Zeit gekostet haben.

Das Beste daran: Ich musste keine der Regeln selbst formulieren. Die Forschungsarbeit kannte die Probleme, Claude kannte unsere Zusammenarbeit, und die Übersetzung von der Theorie in die Praxis hat die KI selbst erledigt.

Was du daraus mitnehmen kannst

Das Muster funktioniert weit über diesen einen Artikel hinaus. Es lautet:

  1. Eine gute Quelle finden: eine Forschungsarbeit, eine Anleitung, einen Erfahrungsbericht.
  2. Die KI fragen: "Was kannst du hiervon für unsere Zusammenarbeit übernehmen?"
  3. Den Zusatz "immer wenn passend und sinnvoll" anhängen, damit die Regeln mit Augenmaß angewendet werden statt stur.

Der Zusatz ist wichtiger, als er aussieht. Ohne ihn wendet die KI neue Regeln gern überall an, auch dort, wo sie nur bremsen. Mit ihm bleibt die Entscheidung situativ: große Aufgabe, volle Regeln; Kleinigkeit, kurzer Weg.

Wenn du mit KI arbeitest, probiere es aus. Ein Satz, ein Link, 30 Sekunden. Die Verbesserung bleibt dauerhaft.

Du möchtest wissen, wie so ein Arbeitsablauf in deinem Unternehmen aussehen kann? Schreib mir.

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